Basaltemperatur-Kurve lesen: Muster, Hilfslinie, Störwerte
Basaltemperatur-Kurve lesen: Tieflage, Anstieg um 0,2–0,4 °C, Hilfslinie und fünf Kurvenmuster mit Beispieltabelle. Plus Störfaktoren im Winter.

Inhalt (6 Abschnitte)
Eine Basaltemperatur-Kurve liest du in drei Schritten: Erst suchst du die tiefere Temperaturlage am Zyklusanfang, dann den Sprung auf eine höhere Lage, dann prüfst du jeden auffälligen Einzelwert auf Störungen. Der typische Anstieg ist klein, laut Frauenärzte im Netz etwa 0,2 bis 0,4 °C. Ein einzelner Ausreißer nach einer kurzen Nacht oder ein gewechselter Messort kann genauso groß ausfallen. Deshalb entscheidet nicht der einzelne Punkt, sondern das Muster über mehrere Tage.
Was die Kurve zeigt und was nicht
Die Basaltemperatur ist die Körpertemperatur in Ruhe unmittelbar nach dem Aufwachen, so definiert sie Frauenärzte im Netz, das Informationsportal des Berufsverbands der Frauenärzte. Notierst du diese Werte Tag für Tag, entsteht die Temperaturkurve: auf der x-Achse die Zyklustage, auf der y-Achse die Temperatur in Schritten von wenigen Hundertstel Grad.
Die Kurve dokumentiert, sie diagnostiziert nichts. Sie zeigt rückblickend, ob und wann deine Temperatur auf eine höhere Lage gewechselt ist. Ob ein bestimmter Verlauf medizinisch etwas bedeutet, klärst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, nicht mit dem Diagramm.
Tieflage, Anstieg, Hochlage
In einem typischen Zyklus liegen die Werte in der ersten Hälfte auf einem tieferen Niveau und schwanken dort um einige Hundertstel. Dann folgt ein hormonell bedingter Temperaturanstieg. Frauenärzte im Netz beziffert ihn auf etwa 0,2 bis 0,4 °C. Danach bleiben die Werte für eine Weile auf der höheren Lage, bis mit dem nächsten Zyklus wieder ein neuer Abschnitt beginnt.
Die Hilfslinie (Cover-Linie)
Die Hilfslinie, oft Cover-Linie genannt, ist eine waagerechte Linie auf Höhe des höchsten Werts der sechs Tage vor dem Anstieg. Sie macht sichtbar, ob die folgenden Werte klar darüber liegen oder nur knapp. In der Basaltemperatur-App erscheint sie als „Cover-Linie“ in der Temperaturkurve, sobald die rückblickende Auswertung einen Anstieg gefunden hat.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Die folgenden Werte sind erfunden und dienen nur dem Lesen-Üben:
| Zyklustag | Wert (°C) | Notiz |
|---|---|---|
| 8 | 36,45 | |
| 9 | 36,50 | |
| 10 | 36,40 | |
| 11 | 36,48 | |
| 12 | 36,52 | |
| 13 | 36,45 | |
| 14 | 36,95 | Weihnachtsfeier, vier Stunden Schlaf |
| 15 | 36,47 | |
| 16 | 36,50 | |
| 17 | 36,70 | |
| 18 | 36,75 | |
| 19 | 36,78 |
So liest du die Tabelle:
- 1Tieflage bestimmen: Die Tage 8 bis 13 liegen zwischen 36,40 und 36,52 °C. Der Mittelwert beträgt 36,47 °C (218,80 ÷ 6).
- 2Ausreißer prüfen: Tag 14 liegt mit 36,95 °C 0,43 °C über dem höchsten Wert davor. Ohne Notiz sähe das wie ein Anstieg aus. Die Tage 15 und 16 fallen aber zurück auf die Tieflage, und die Notiz erklärt den Wert: kurze Nacht, Feier.
- 3Echten Wechsel finden: Ab Tag 17 bleiben die Werte oben. Der Mittelwert der Tage 17 bis 19 liegt bei 36,74 °C (110,23 ÷ 3), also knapp 0,3 °C über der Tieflage. Das passt in die Spanne von 0,2 bis 0,4 °C.
Der Ausreißer an Tag 14 war in diesem Beispiel mit 0,43 °C deutlich größer als der echte Wechsel. Genau deshalb gehört zu jedem auffälligen Wert eine Notiz.
Fünf Kurvenmuster und was du prüfst
| Muster | So sieht es aus | Was du zuerst prüfst |
|---|---|---|
| Zweistufig | tiefe Lage, dann ein klarer Sprung, danach eine höhere Lage | nichts, das ist der Verlauf, den die meisten Anleitungen zeigen |
| Einzelne Spitze | ein Wert springt hoch, die nächsten fallen zurück | Schlaf, Alkohol, Infekt, späte Messung |
| Treppe | der Anstieg verteilt sich über mehrere kleine Stufen | ob du jeden Tag am selben Ort und mit demselben Thermometer gemessen hast |
| Sägezahn | die Werte springen täglich auf und ab, ohne klare Lage | Messort, Thermometer, Messdauer |
| Ohne erkennbaren Wechsel | die Werte bleiben auf einer Lage | fehlende Tage und Störungen; bei wiederholtem Auftreten die Frauenarztpraxis fragen |
Was typischerweise schiefgeht
Der häufigste Fehler ist ein gewechselter Messort. Die orale Kurve verläuft laut Frauenärzte im Netz im Durchschnitt etwa 0,2 °C unter der rektalen. Wer mitten im Zyklus vom Mund auf rektal wechselt, erzeugt also einen Sprung von rund 0,2 °C, ohne dass sich im Körper etwas geändert hat. Das ist so groß wie der untere Rand eines echten Anstiegs.
Der zweite Fehler ist das falsche Gerät. Infrarot-Ohrthermometer gelten laut Frauenärzte im Netz als ungeeignet; empfohlen werden digitale Thermometer mit einer Auflösung von 0,05 °C. Ein Gerät, das nur in Zehntelschritten anzeigt, kann einen Anstieg von 0,2 °C auf zwei Stufen verteilen und eine Treppe vortäuschen.
Störfaktoren im November und Dezember
Die Wochen bis zum Jahreswechsel bringen mehrere Störquellen auf einmal:
- Erkältungszeit: Erkrankungen und Medikamente können die Messung beeinflussen, schreibt Frauenärzte im Netz.
- Weihnachtsfeiern und Feiertage: Kurze Nächte und Alkohol gelten als typische Ursachen für einzelne Spitzen.
- Reisen: Wer über die Feiertage zur Familie fährt, schläft anders und oft kürzer.
- Winterzeit: Die Sommerzeit endet nach § 2 der Sommerzeitverordnung am letzten Sonntag im Oktober, die Uhr wird von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Seitdem zeigt sie beim gewohnten Aufwachen eine Stunde weniger an als vorher. Notiere die Messzeit, dann bleibt die Verschiebung nachvollziehbar.
Laut Frauenärzte im Netz reicht vor der Messung mindestens eine Stunde Schlaf oder Ruhe; die Uhrzeit muss nicht täglich gleich sein, wird aber notiert. Wie du die Messung selbst Schritt für Schritt aufsetzt, steht in Basaltemperatur messen: Anleitung in 7 Schritten.
Gestörte Werte in der App markieren
In der Basaltemperatur-App gibst du zu jedem Eintrag neben dem Wert auch die Messzeit und die Schlafdauer an. Für Tage wie Tag 14 im Beispiel gibt es den Schalter „Messung gestört“ mit einem Feld für den Grund, etwa „krank, Alkohol, wenig Schlaf, Reisen“. Zusätzlich kannst du festlegen: „Wert nicht für die Temperaturauswertung verwenden“.
Als gestört markierte Werte bezieht die App nicht in die rückblickende Auswertung des Temperaturanstiegs ein. Sie bleiben aber in deinem Tagebuch sichtbar, du verlierst also keine Information. Statistische Prognosen blendet die App aus, solange die Datenbasis zu dünn ist, etwa wenn weniger als drei Zyklen abgeschlossen sind, weniger als 18 auswertbare Temperaturwerte vorliegen oder mehr als 35 % der Werte als gestört markiert oder ausgeschlossen sind. Die App nennt dir dann, was fehlt.
Das Eintragen von Temperatur und Periodentagen ist kostenlos. Die Temperaturkurve mit Trends, Zyklusstatistiken, Zyklusvergleich und PDF-Export gehört zur Premium-Analyse, die du einmalig für 9,99 € ohne Abo freischaltest. Was die kostenlose Version im Einzelnen umfasst, zeigt Basaltemperatur app kostenlos: Funktionen und Vergleich.
Die App ist ein persönliches Zyklustagebuch und kein Medizinprodukt. Sie ist nicht zur Verhütung und nicht zur Familienplanung gedacht.
Häufige Fragen
Wie sieht eine Basaltemperatur-Kurve über den ganzen Zyklus aus?
In einem typischen Verlauf liegen die Werte zuerst auf einer tieferen Lage, steigen dann um etwa 0,2 bis 0,4 °C an und bleiben eine Zeit lang höher. Einzelne Spitzen dazwischen sind meist Störwerte. Aussagekräftig ist erst der Verlauf über mehrere Tage.
Wie hängen Basaltemperatur und Periode in der Kurve zusammen?
Die Periodentage markierst du in der App farbig, sie erscheinen in derselben Ansicht wie die Temperaturkurve. So siehst du, wo ein neuer Zyklus beginnt, und kannst die Temperaturlagen mehrerer Zyklen nebeneinander vergleichen.
Welches Thermometer brauche ich für eine saubere Kurve?
Frauenärzte im Netz empfiehlt digitale Geräte mit 0,05 °C Auflösung oder ein mechanisches Basalthermometer; Infrarot-Ohrthermometer gelten als ungeeignet. Bleib beim selben Gerät und demselben Messort, sonst entstehen Sprünge, die nichts mit deinem Zyklus zu tun haben.


